Freitag, 19. Februar 2010

Nanaimo - Port Hardy - Prince Rupert

Alaska... Eis, Schnee, Kaelte... fuegt man dann noch "Februar" hinzu ist wohl die Vorstellung von einer schneeueberzogenen Steppe perfekt, in der man nur mit dickster Winterjacke, Handschuhen und 3 paar Socken ueberleben kann.

Gut, ich bin nicht in Alaska...aber rechtfertigen 42 Kilometer bis Alaskas Grenze Temperaturen von ca. 10 Grad (gefuehlte 20), Sonnenschein, ein Sonnenbrand im Gesicht und der Wunsch nach einer Sonnencreme- und brille?

Ich habe bisher umverschaemtes Glueck mit dem Wetter gehabt. Auch in Victoria, Nanaimo und Port Hardy schien meist die Sonne und liess die Krokusse (vorzeitig) bluehen. Der fruehe Fruehling ueberrascht hier jeden, aber wohl niemandem ist er unwillkommen.

Ich bin jetzt in Prince Rupert, dem noerdlichsten Ort der Reise bisher und ich denke nicht, dass ich noch viel noerdlicher komme. Aber ich sag niemals nie.

Ich hatte etwas Angst vor dem Trip von Victoria nach Prince Rupert. Auf der einen Seite hatte ich den Traum, die Inside Passage nach Prince Rupert zu machen, auf der anderen Seite riet mir jeder im Turtle Hostel ab, Prince Rupert sei ein toter Ort und die Menschen dort oben seien rough (rau, derb) und deprimiert und ueberhaupt kann man in Prince Rupert nichts machen.

Ich hatte aber das Greyhound-Busticket von Victoria nach Nanaimo schon gekauft, also fuhr ich Montag morgen nach Nanaimo und, so sagte ich mir, dort konnte ich immer noch entscheiden, was ich tun wollte. Weiter in den Norden oder doch mit der Faehre die Inseln abklappern.

Angekommen in Nanaimo war aber wohl schon die Entscheidung gefallen, dass es bis nach Prince Rupert gehen sollte. War nur so ein Gefuehl...

Die Nacht verbrachte ich bei Tamara, die ich ueber Couchsurfing.com angeschrieben und nach einer freien Couch gefragt hatte. Sie und ihr Freund Dion waren sehr offene und total liebe Menschen, beide auf dem spirituellen Trip aber in keinster Weise uebertrieben.

Tamara

Krokusse in Nanaimo

Nanaimo am Abend


Und Nanaimo am Tag






Und meine Couch fuer die Nacht


Dienstag gings dann weiter mit dem Greyhound nach Port Hardy. Die ganze 5-stuendige Busfahrt an der Kueste entlang schien die Sonne, umso ueberraschter war ich, als wir durch mehrere heftige Regenschauer fuhren. Die Launen der Natur.. sie entschuldigte sich aber mit einem gigantischen Regenbogen ueber dem Meeresarm.
                            


Angekommen in Port Hardy wurde mir bewusst, dass ich keine Ahnung hatte, wo sich mein Hostel befand. Ich hatte es am Morgen in Eile gebucht und mir keinen Strassennamen oder den genauen Namen aufgeschrieben...ausserdem hatte ich keine Buchungsbestaetigung... das Touristenbuero war schon geschlossen und einen Stadtplan hatte ich erst recht nicht. Ich musste hoffen, dass es so aussah wie auf dem Bild der Homepage, aber man weiss ja, dass Bilder luegen koennen, gerade wenns um Hostels oder Hotels geht...

Ich konnte also a) einen Starbucks* oder sonst einen Internetzugang suchen (wie sich spaeter herausstellen sollte, gibt es in ganz Port Hardy KEIN Starbucks), b) ein andres Hostel oder Hotel suchen c) in Panik verfallen oder d) loslaufen und das Hostel suchen.
(Wer sich fragt, warum ich ausgerechnet einen Starbucks suchen wuerde: In jedem Starbucks gibts Wireless for free und seit kurzem hab ich ja ein kleines Netbook, sehr praktisch...)

Ich nahm Option d, so wuerde ich gleich noch den Ort mitbesichtigen.

Ca. einen Block weiter fand ich das North Coast Trail Hostel, das genauso wie auf dem Bild aussah. Es wurde gerade neu renoviert und verdient wohl kaum den Namen Hostel... es war schon ziemlich luxurioes, einfach wunderbar :) Ich hatte das Zimmer fuer mich allein, in der Nebensaison ist sehr wenig los und gerade Maedels reisen fast gar nicht.



Im Hostel traf ich Rob, ein sehr dubioser und leider sehr gespraechiger Typ aus Canada. Er kaute mir das rechte Ohr ab und ich war froh, als ich in mein Zimmer fluechten konnte. Jeeez und mit diesem Typen sollte ich morgen auf die Faehre gehen... er stieg aber zum Glueck in Bella Bella aus, das auf dem Weg nach Prince Rupert liegt.

Den Morgen verbrachte ich mit Anne, der Hostelmanagerin. Sie zeigte mir einen wunderschoenen Strand etwas ausserhalb von Port Hardy und ein kleines, aber besonderes Indianerdorf. Bis auf ein paar Totempoles, also Totempfaehle mit den Holzkoepfen fuer jede Generation im Garten mancher Haeuser, sah man allerdings nicht viel von Indianern. Es sah aus wie jedes andre Dorf auch.

Das besondere war allerdings, dass in diesem Dorf das Kanu geschnitzt wurde, das ein paar Tage zuvor die Fackel mit dem Olympischen Feuer nach Port Hardy gebracht hatte. Und dieses Kanu war immer noch in Port Hardy.

Ein ziemlich gluecklicher Luke am Strand...


Anne, die Hostelmanagerin

Ein ziemlich dreckiger und stinkender Luke nach einem Tag am Strand :)

Totempfaehle der Indianer. Jeder Holzkopf steht fuer eine Generation und deren Geschichte

Hier wurde das Kanu geschnitzt, das die Olympische Fackel nach Port Hardy brachte

Und das ist das Kanu

Die 20-stuendige Faehrueberfahrt nach Prince Rupert war...unbeschreiblich. Die Inside Passage geht fast die ganze Zeit entlang der Kueste und zwischen hunderter kleiner Inseln am Festland nach Norden. Nach 5,5 Stunden legten wir bei Nacht in Bella Bella an und Rob verliess das Schiff, nicht ohne mir vorher nochmal das Ohr ganz abgekaut zu haben.

Rob fuhr nach Ocean Falls weiter, um dort im Wald zu leben, versteckt und fuer andere unsichtbar, um alles umsonst zu bekommen, um FKK zu betreiben und um die Magischen Menschen zu finden, von denen er ueberzeugt ist, dass es sie gibt. Ich frag mich nur, wo er da seinen kleinen Computer anstecken will.

Ich sollte aufhoeren, schlecht ueber ihn zu reden, immerhin hat er mir viele Landkarten ueberlassen und ein "Dog-Spray", also Pfefferspray geschenkt mit dem Wunsch, dass ich es nie gebrauchen muesse. Das hoff ich auch, moechte es aber nicht schwoeren.

Ich war bisher noch nie in einer gefaehrlichen Situation, aber diese Gegend hier IST rough. Es gibt viele Reisende, viele die "hitchhiken", also per Anhalter fahren, aber gerade als Maedel, das allein unterwegs ist, sollte das hier absolut vermeiden. Es gibt einen sogenannten "Highway of Tears", ein Teil des Yellowhead- Highways zwischen Prince Rupert und Prince George (Northern British Columbia), wo unzaehlige junge Frauen entfuehrt und ermordet worden sind. Im Internet gibt es eine Liste mit Bildern von ihnen, viele Morde sind nie aufgeklaert. Ja, vielleicht versteht man meine Bedenken vor dem Trip in den Norden jetzt :)

Aber die Sonne auf dem Weg nach Prince Rupert tat ihr Bestes, um mich bei Laune zu halten. Auf der Faehre lernte ich ausserdem Mitchell kennen. Er kaute mir zwar das linke Ohr ab, war aber witzig und brachte mir viel ueber Kanada und speziell ueber Northern BC bei. Er stammt aus Prince Rupert und bot mir an, mir ein bisschen seine Heimatstadt zu zeigen, ja er war ganz wild darauf, mir seine Heimat zu zeigen und gab mir seine Telefonnummer.

Die Ueberfahrt verbrachte ich zumeist an Deck, nur nachts zwischen 3 und 6 Uhr verkroch ich mich zum Schlafen zwischen die Stuehle und Tische im Aufenthaltsraum. Eine Kabine war mir fuer 85 Dollar viel zu teuer und ein Bett wuerde ich in der naechsten Nacht wieder haben. Ausserdem war mir klar, dass ich die meiste Zeit draussen sein wuerde, gerade morgens, beim Sonnenaufgang.... Dort lernte ich Joe kennen, Maschinist auf der Northern Adventure Ferry und Vater vom Kapitain, wir er mir ganz stolz erklaerte. Er lebt in Vancouver, stammt aber unverkennbar aus Indien. Wie alle mit denen ich mich bisher unterhalten habe war er komplett ueberrascht von meinem Alter und total begeistert von meinem Trip. Saetze wie: "Achja, als ich jung war"... oder "Ach wenn ich nochmal jung sein koennte..." kommen auch jedesmal :)














Man kann die Nacht entweder so verbringen...

Oder so...

Der naechste Morgen...


Fruehstueck. Simpel aber mit Sicherheit billiger als das Fruehstueck am Buffet.




Ankunft in Prince Rupert nach 20 Stunden